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EU-Taxonomie: Turbo für die Kreislaufwirtschaft?

Von Dr. Patrick Bergmann, Geschäftsführer Madaster Germany


In den letzten Jahren sind die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit so präsent wie nie zuvor und haben sich fest im gesellschaftlichen Diskurs und politischen Agenden verankert. Im Zentrum dieser Diskussion steht die EU-Taxonomie, ein entscheidendes Rahmenwerk, das definiert, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als nachhaltig gelten. Investitionen und Projekte, die den Kriterien der Taxonomie entsprechen, werden zunehmend an Bedeutung gewinnen und bei Investitionsentscheidungen Vorrang erhalten.


Die Rolle der EU-Taxonomie im Bauwesen


Im Bauwesen hat die EU-Taxonomie weitreichende Auswirkungen sowohl auf Neubauten als auch auf Bestandsgebäude:


Neubau


Im Neubausektor liegt der Fokus vor allem auf dem Primärenergiebedarf des Gebäudes (mindestens 10 % unter dem Standard für Niedrigstenergiegebäude gemäß der deutschen Energieeinsparverordnung). Auch die Bewertung der CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus, einschließlich der Grauen Emissionen, ist entscheidend. Die Materialauswahl und Ressourceneffizienz spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, wobei Kriterien wie die Begrenzung von Primärrohstoffen in Materialien wie Beton und Naturstein auf maximal 70 % zu beachten sind.


Bestand


Ähnliche Kriterien gelten für bestehende Immobilien, die renoviert werden, wenn auch mit leichten Anpassungen. Die Einhaltung der Vorschriften erfordert bei bestehenden Gebäuden entweder die Erfüllung der gesetzlichen Mindestanforderungen für den Primärenergiebedarf gemäß §48 der deutschen Energieeinsparverordnung oder eine relative Verbesserung von mindestens 30 % des Nettoprimärenergiebedarfs im Vergleich zu den Werten vor der Sanierung. Für Immobilien, die von Renovierungen oder Verkäufen unberührt bleiben, spielt die Taxonomie vorerst eine weniger prominente Rolle.


Auswirkungen und Fazit


Diese spezifischen Anforderungen werden voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf den Bausektor haben. Nicht konforme Gebäude werden an Wert verlieren, langfristig eine geringere Nachfrage erfahren und Schwierigkeiten bei der Refinanzierung haben. Dies wird zu deutlichen Preisunterschieden zwischen taxonomiekonformen und nichtkonformen Immobilien führen und Investoren zunehmend dazu veranlassen, Nachhaltigkeitskriterien in ihre Entscheidungen einzubeziehen.


Die EU-Taxonomie stellt einen entscheidenden Schritt dar, um wirtschaftliche Aktivitäten mit Umweltzielen in Einklang zu bringen. Ihre Auswirkungen auf die Bauindustrie unterstreichen die wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeitsüberlegungen bei der Gestaltung der gebauten Umwelt. Mit zunehmend strengeren Vorschriften und sich ändernden Verbraucherpräferenzen wird die Einhaltung von Taxonomiestandards nicht nur eine gesetzliche Anforderung sein, sondern auch ein Maßstab für Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit auf dem Immobilienmarkt.

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