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How to ESG? Eine Einführung in die neue Normalität der Nachhaltigkeitsberichterstattung

Aktualisiert: 30. Juli 2023

Wer ein Unternehmen führt, in ein Unternehmen investiert, oder gerade dabei ist, ein Unternehmen zu gründen, der wird eher früher als später mit den ESG-Zielen und der damit verbundenen Berichtserstattungspflicht konfrontiert werden. Wie Ergebnisse des Odgers Berndtson Manager Barometers von Haufe zeigen, besteht viel Nachholbedarf beim Thema Nachhaltigkeit. Obwohl 75% der über 1500 befragten Führungskräfte Ende 2022 angaben, Nachhaltigkeit als wichtigen Bestandteil des eigenen Unternehmens zu betrachten, kannten nur 45% die ESG-Faktoren im eigenen Unternehmen.


Nachhaltigkeitsberichterstattung


Diese Lücke wird zukünftig zum Problem werden, denn um den ESG-Herausforderungen produktiv und resilient zu begegnen, müssen sich Unternehmen umstrukturieren und Kernprozesse müssen an ESG-Standards angepasst werden. Es reicht nicht mehr, sich Nachhaltigkeit auf die Fahne zu schreiben – Nachhaltigkeit muss ganzheitlich gelebt werden. Bisweilen gaben, laut des Odgers Berndtson Manager Barometers von Haufe, nur knapp 30% der Führungskräfte an, die ESG-Ziele in ihre Unternehmensstrategie integriert zu haben. Wie schaffen es die verbleibenden 70% der Unternehmen nun, sich an diesen Prozess anzupassen und einen tatsächlichen Wertewandel herbeizuführen? Die Antwort lautet primär: Wissensaneignung! Um Prozesse zu verändern, müssen die darunter liegenden Strukturen verstanden und verinnerlicht werden. Wir helfen dabei, denn wir sind überzeugt, dass ESG nicht nur der neue Standard, sondern gleichzeitig der einzige Weg ist, die sozial-ökologische Wende ganzheitlich möglich zu machen und Zukunft zu gestalten.

E-S-was?

Auch wenn die ESG-Ziele erst seit der Verabschiedung des Corporate Sustainability Reporting Directives (CSRD) vom vergangenen November in aller Munde sind, ist die Idee der Unternehmensbewertung anhand von nachhaltigen Standards älter. Bereits 2006 haben die Vereinten Nationen die ESG-Ziele verabschiedet – damals noch als freiwillige Selbstverpflichtung. Nachhaltigkeit, ein normatives Konzept, das sich bis dato im luftleeren Raum bewegt hat und unternehmensabhängig interpretiert wurde, ist seit 2006 mit drei großen Themenfeldern verknüpft: Dem Sozialen (S), der Umwelt (E), und der verantwortungsvollen Unternehmensführung (G). Die Ziele machen deutlich, dass Nachhaltigkeit vielschichtig und tief ist, und ganzheitlich verstanden werden muss. Was 2006 als Initiative ohne Gütesiegel und Verpflichtungen begonnen hat, ist spätestens ab Januar 2024 die neue Normalität. Ab dann müssen alle größeren und börsennotierten Unternehmen ihre ESG-Berichte in ihren jährlich zu veröffentlichenden Lagebericht einspeisen und von externen Prüfstellen checken lassen. In mehreren Schritten werden diese Regelungen bis 2028 auch für mittelständige und kleine Unternehmen in Kraft treten. Unternehmen müssen sich also darauf einstellen, ihre Prozesse umzustellen, vielleicht zum ersten Mal ganzheitlich zu monitoren, denn ESG ist mehr als Energiemanagement oder E-Autos als Dienstfahrzeuge.


Die richtigen Fragen stellen

Um Ziele proaktiv zu verfolgen, müssen Strategien entwickelt werden, und um das zu tun, müssen Unternehmen die richtigen Fragen stellen. Einfach gesagt: ESG muss mit Leben gefüllt werden. Weil die ESG-Formulierungen bisweilen normativ, und deshalb eher vage sind, fällt Unternehmen die tatsächliche Implementierung oft schwer. Hier ist es ratsam, sich an den Standards der Global Reporting Initiative zu orientieren. Sie schlüsselt die einzelnen Themenfelder auf. Um eine Idee zu bekommen, was sich hinter den einzelnen Buchstaben verbirgt, haben auch wir eine Aufschlüsselung vorgenommen. Nicht nur als Orientierung, sondern auch als Inspiration für alle Unternehmen, die Nachhaltigkeit ganzheitlich leben wollen: Denn Wissen und Bewusstsein verstecken sich nicht in Datensätzen.

Fangen wir mit dem E an. Um sich als Unternehmen ökologisch zu verändern, reicht es nicht, sich der Dekarbonisierung zu verschreiben. Weniger offensichtliche Handlungsempfehlungen, wie die Etablierung eines ganzheitlichen Gebäude- und Wassermanagement, dem Einsatz von nachhaltigen Produkten und Technologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette, sowie der Priorisierung von nachhaltiger Mobilität im ganzen Unternehmen stehen ebenfalls oben auf der Liste. Es reicht nicht, wenn die Führungsebene versucht, den Wandel zu managen; er muss ganzheitlich verstanden und gelebt werden. Dafür braucht es tarnsparente Unternehmenskommunikation auf allen Ebenen. Diese soziale Inklusion führt zum nächsten wichtigen Pfeiler – dem S, bei dem soziale und gesellschaftliche Aspekte im Vordergrund stehen. An oberster Stelle befindet sich die Menschenwürde, die eng mit Arbeitnehmerrechten und Anti-Diskriminierungsrichtlinien verbunden ist. Auch hier liegt es primär an der Führungsebene, sensibel und empathisch mit Fragen von Diversität und Parität umzugehen. Es reicht nicht, Menschen nicht auszubeuten; Mitarbeitende sollen aktiv gefördert und gefordert werden. Außerdem fordern die ESG-Ziele eine Beendung der Zusammenarbeit mit autoritären Regimen und ein gesellschaftliche Verantwortungsübernahme der Unternehmen. Das kann in Form von Sponsoring sein, von Spenden, oder von ehrenamtlichem Engagement. Unternehmen können sich hier an den OECD-Leitsätzen orientieren, um sich nicht nur ökologisch, sondern auch sozial weiterzuentwickeln. Auch an dieser Stelle wird wiederholt deutlich, dass es unverzichtbar ist, alle mit ins Boot zu holen. Wandel mag top-down anfangen, aber wird auf allen Ebenen gelebt.

Ein wenig anders gestaltet sich dieser Grundsatz beim G, das sich nicht nur mit Governance, sondern auch mit verantwortungsvoller Unternehmensführung übersetzen lässt. Unternehmenseigene Richtlinien und das Selbstverständnis von Fairness und Transparenz stehen hier im Vordergrund. Das Bewertungskriterium heißt Compliance, also eine interne Integrität zwischen Richtlinien und Handeln. Unternehmen müssen sich fragen, ob sie tatsächlich so divers und gender-aware sind, wie sie sich geben, und sie müssen prüfen, wie Chancengleichheit im eigenen Unternehmen gelebt wird. Außerdem spielt hier die gesetzeskonforme Abführung von Steuern eine wichtige Rolle, und Unternehmen können im ESG-Score punkten, wenn der Aufsichtsrat paritätisch besetzt ist. Auch für das große G gibt es nationale und internationale Standards, die als Handlungsempfehlungen dienen können. Wir empfehlen den Deutschen Corporate Governance Code, den UN Global Pact, sowie die OECD-Grundsätze.

Kein Negative-Screening sondern Impact Investments


Wenn Unternehmen wissen, woran genau sie sich orientieren müssen, dann können Kernprozesse angepasst und Strukturen langfristig verändert werden. Es mag hierfür sinnvoll sein, ein internes ESG-Team einzurichten, das sich mit der Datenerfassung und -evaluierung vertraut macht und aktiv screent, wo das Unternehmen noch Aufarbeitungsbedarf hat. Ehrliche Selbstreflektion und Kritik sind an dieser Stelle unabdingbar. Außerdem sollten sich Unternehmen intern einigen, dass sie keine Vermeidungs-, sondern eine proaktive Gestaltungsrolle im Prozess der ESG-Implementierung einnehmen. Das bedeutet, dass nicht nur Menschenrechtsverletzungen vermieden werden sollten, sondern die Rechte der Arbeitenden entlang der Wertschöpfungskette gefördert. Mit höheren Löhnen beispielsweise, oder mehr Urlaubstagen oder Möglichkeiten der Weiterbildung.


Die ESG-Ziele sind ein normatives Regelwerk, das noch in den Kinderschuhen steckt. Alle Unternehmen haben jetzt die Möglichkeit, den neuen Standard mitzugestalten und die Welt auf diese Weise tatsächlich zu verändern. Ethische Standards haben Maximalgewinne abgelöst und im Wettbewerb wird langfristig nur bestehen, wer Nachhaltigkeit in seine Strukturen eingebaut hat. Sozial, ökologisch, und mit verantwortungsvoller Führung. Dr. Lars Grotewald von der Stiftung Meractor unterstreicht diesen Punkt und sagte kürzlich auf einer Veranstaltung der WHU, Otto Beisheim School of Management: „Wir müssen einfach zur Kenntnis nehmen, dass Klimaschutz keine Option mehr für Unternehmen ist, sondern ein Muss, das die zentrale Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit in der Zukunft ist.“ Wie genau die Unternehmensstrategie daraufhin angepasst werden kann, und welche Rolle die Digitalisierung spielt, werden wir in unserem nächsten Text beleuchten.


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