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Die größten Impact VCs im Überblick – und warum sie für Europa unverzichtbar sind!

Aktualisiert: 18. März 2023

Von Thomas Gawlitta, Gründer DMREx



Der Bedarf an Risikokapital im Bereich der Klimatechnologie ist groß. Mit den Technologien, die uns heute zur Verfügung stehen, wird sich der Klimawandel nicht aufhalten lassen. Es braucht Innovation, auf allen Ebenen. Das weiß auch die Bundesregierung und hat 2021 in ihren Koalitionsvertrag eine stärkere Förderung von innovativen Start-Ups aufgenommen. Um Deutschland zum Innovationsstandort zu machen, ist diese Ambition längst überreif: Europa im Allgemeinen hängt seinen großen Handelspartnern deutlich hinterher, wenn es um kapitalkräftige Fonds geht, die in Klimatechnologie investieren. Während in den USA 41 Fonds mit einem verwalteten Vermögen von über 100 Milliarden Euro in Unternehmen investieren, die gegen den Klimawandel kämpfen, sind es in Europa gerade einmal sechs. Das Investitionsvolumen ist nicht einmal halb so groß. In Bezug auf die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen und den Plan Deutschlands, bis 2050 klimaneutral zu werden, ist das ein Armutszeugnis. Laut einer Studie der deutschen Energie-Agentur werden in Deutschland 22,7 Milliarden Euro benötigt, um bis 2030 eine positive Klimawirkung zu erzielen. Es ist also allerhöchste Zeit, sich mit denen zu beschäftigen, die dieses Geld bereitstellen können: den Impact Venture Capitals.


Genauso wie bei Venture Capitals (VCs) handelt es sich bei Impact Venture Capitals (IVCs) um Beteiligungsfinanzierungen. Die Investoren unterstützen junge Unternehmen finanziell und erhalten dafür Unternehmensanteile. In Deutschland sind aktuell 110 VCs gelistet, die insgesamt über ein Finanzierungsvolumen von vier Milliarden Euro verfügen. Während VCs vor allem langfristig hohe Renditen zum Ziel haben, geht es IVCs verstärkt um den Impact, den sie mit ihren Investitionen erzielen. Ein positiver sozialer und/oder ökologischer Einfluss steht hier im Vordergrund. Oft agieren IVCs in Form von Fonds. Der größte auf Europa fokussierte Klima-Risikokapital Fond ist WorldFund. Gegründet wurde er 2021 von Daria Saharova, Danijel Visevic, Craig Douglas und Tim Schumacher in Berlin. Der Fond wird von über 60 Investoren unterstützt und ist gerade dabei, das geplante Investitionsvolumen von 350 Millionen Euro aufzubauen. Investiert wird bei WorldFund branchen-übergreifend: von Start-Ups, die auf Verkehr, Energie, Bau, Lebensmittel und Landwirtschaft spezialisiert sind, ist alles dabei. Das einzige Kriterium, das Start-Ups erfüllen müssen, um von WorldFund unterstützt zu werden: Sie müssen in der Lage sein bis 2030 mindestens 100 Megatonnen CO2 einzusparen. Bestenfalls haben sie außerdem das Potenzial, zum Marktführer in ihrem Sektor zu werden. Um die Leistung der Start-Ups zu messen hat WorldFund einen eigenen Erfolgsindikator entwickelt: das Climate-Performance-Potential. „Wir können den Klimawandel nicht mit der Technologie stoppen, die wir heute haben“, schreibt WorldFund auf seiner Homepage. Die Liste der Investitionen, vor allem die breite Streuung zeigt aber, dass der Fond alles versucht, um das scheinbar Unmögliche eben doch möglich zu machen: Das 1,5 Grad Ziel zu erreichen und den Klimawandel so gut es geht einzudämmen.


Unterstützt wird WorldFund unter anderem vom Europäischen Investitionsfond (EIF), der 50 Millionen Euro investiert hat. Start-Ups, die sich mit der Produktion von nachhaltigen Lebensmitteln (Planet-a-Foods) oder wiederverwendbaren Herstellungsmöglichkeiten im Orbit (Space Forge) beschäftigen, können ihr Potenzial mit dieser Investition ausbauen. WorldFund hat bisweilen über 1000 Start-Ups gesichtet und in elf investiert. Bekannte Namen sind unter anderem Aedifion und Recup.


Ähnlich wie WorldFund agiert auch der Fond Planet-a, der im Jahr 2021 in Hamburg erstmals als öffentlicher Investor in Erscheinung getreten ist. Einer der Gründer des Webbaukastensystems Jimdo, Fridtjof Detzner, hatte die Idee, um einen Beitrag zur Erreichung der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen zu leisten. Mit dem Fond Planet-a, den er gemeinsam mit Tobias Seikel, Christian Schad, Jan Christoph Gras, Nick de la Forge und Lena Thiede gründete, will Fridtjof Detzner Ökonomie und Ökologie vereinen. Der Fond funktioniert frei nach dem Motto: „Lasst uns etwas schaffen, dass der Planet braucht“, und arbeitet aus diesem Grund eng mit Naturwissenschaflter*innen zusammen. Genauso wie WorldFund hat Planet-a Kriterien entwickelt, die Start-ups erfüllen müssen, um Unterstützung zu erhalten. Vor jeder Investition werden Lebenszyklusanalysen von den Produkten durchgeführt, sowie eine Ökobilanz erstellt. Der CO2-Fußabdruck des Unternehmens wird geprüft, außerdem die Menge an verbrauchtem Plastik und anderen Ressourcen. Zuletzt wird der Einfluss auf die Biodiversität geprüft. Start-ups müssen nicht nur sehr gut in mindestens einer der Kriterien abschneiden, sondern außerdem wirtschaftlich vielversprechende Erfolgsprognosen vorweisen. Genauso wie WorldFund investiert auch Planet-a breit gestreut in die unterschiedlichsten Sektoren. Bisher wurden 14 Start-ups finanziell unterstützt, darunter auffällig viele, die sich mit alternativen Materialien zu Plastik, oder der nachhaltigen Verarbeitung des Kunststoffes beschäftigen. Außerdem wurden Start-ups der Lebensmittelwirtschaft unterstützt (Paleo) und jene, die sich mit alternativen Kraftstoffen beschäftigen (unter anderem C1). Im Februar dieses Jahres konnte Planet-a einen neuen Fond mit einem Investitionsvolumen von 160 Millionen Euro abschließen. Eingezahlt haben hier unter anderem BMW, KfW Capital, Rewe, sowie verschiedene Serienunternehmer.

Während sich die Sektoren der Investitionen sowie die Unternehmensstruktur von Worldfund und Planet-a ähneln, hebt sich der DeepTech and Climate Fond (dtcf) deutlich ab. Es lohnt sich also, einen Blick auf den 2022 gegründeten Fond des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz zu werfen. Sein Ziel ist die Entwicklung eines neuen, technologiebasierten Mittelstandes. Dafür soll das Technologie-Ökosystem der Zukunft ausgebaut werden. Im Gegensatz zu Worldfund und Planet-a konzentriert sich dtcf auf Start-ups im DeepTech Bereich, vor allem in den Sektoren der Robotik, der KI und der Prozess-Automatisierung. Smart-City-Projekten sowie Projekten im Bereich BioTech wird außerdem ein großer Stellenwert zugeschrieben. Finanziert wird der Fond mit Mitteln des Zukunftsfonds und des staatlichen EPR-Sondervermögens, außerdem von privaten Kapitalgebern und Stiftungen. In den kommenden zehn Jahren will dtcf ein Gesamtinvestitionsvolumen von einer Milliarde Euro investieren. Der Fond unter Geschäftsführung von Elisabeth Schrey und Tobias Faupel befindet sich aktuell noch in der Sichtungsphase. Am 20. Februar dieses Jahres wurde in das erste Unternehmen investiert: Mit acht Millionen Euro hat dtcf, gemeinsam mit anderen Investoren, die Xolo GmbH unterstützt, ein Start-up, das ein neues Verfahren im 3D-Druck entwickelt hat.


So unterschiedlich die Fonds auch sein mögen, sie alle teilen eine gemeinsame Vision: Die innovative Unternehmenskultur in Deutschland zu fördern, um den sozialen und ökologischen Wandel herbeizuführen und die Klimaziele zu erreichen. Denn noch ist es dafür nicht zu spät.


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