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GEG-Novelle: Es kommt jetzt auf die Energieberater an

Aktualisiert: 27. Nov. 2023

Von Marcus Dietmann, Architekt und Energieeffizienzexperte, Mitgründer von 42watt


Die gute Nachricht zuerst: Die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes ist vom Bundestag beschlossen worden und tritt am 1. Januar 2024 in Kraft. Damit ist zumindest die unglückliche monatelange Hängepartie beendet.


In den vergangenen Monaten hatten die Verunsicherung über das “Heizungsgesetz” sowie die schlechteren Förderkonditionen für fast alle Sanierungsmaßnahmen zu massiven Einbrüchen bei den Förderanträgen geführt. Darüber hinaus hat der Streit um die Novelle des GEG alle seit Jahren schwelenden gesellschaftlichen Konflikte um den Klimaschutz an die Oberfläche gebracht. Ob der entstandene politische Schaden schnell repariert werden kann, ist fraglich. Aber: Es liegt zumindest ein Beschluss vor, auch wenn in vielen Fällen alles andere als klar ist, was jetzt im Einzelfall passieren muss.


Doch um das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen, ist die GEG-Novelle zu umständlich. Unter anderem, weil der Gesetzgeber den Umstieg auf nachhaltige Heizungen auch mit dem Vorliegen einer kommunalen Wärmeplanung verknüpft. Die Fertigstellung dieser Wärmeplanungen dürfte allerdings noch auf sich warten lassen: Großstädte haben bis 2026 Zeit, andere Kommunen sogar bis 2028. Viele Gemeinden sind bisher kaum vorangekommen. Für viele Menschen verschiebt sich durch diese Abhängigkeit von der kommunalen Wärmeplanung der Zeitpunkt unnötig nach hinten, an dem Klarheit über den besten Wärmeerzeuger für das eigene Haus herrscht. Wichtig wird daher sein, dass alle, die sich schon vor Ablauf der Fristen für eine Wärmepumpe entscheiden, mit einer ausreichend hohen Förderung unterstützt werden. Für mehr Planungssicherheit braucht es außerdem den Ausbau langfristiger Anreize, wie z. B. eines Wärmepumpenstromtarif.


Auch ist zu beobachten, dass sich viele Menschen noch 2023 für eine neue Gasheizung entscheiden (wollen). Das ist nicht nur bitter für den Klimaschutz, sondern wird auf Dauer auch sehr teuer. Gleichzeitig fehlt in der öffentlichen Diskussion oft die Aufklärung über die zukünftigen Kosten fossiler Energieträger. Diese werden nämlich über den stetig steigenden CO2-Preis reguliert.


Man kann es also nicht oft genug sagen: Jede fossile Heizungsanlage, die jetzt neu installiert wird, ist nicht nur eine vertane Chance für den Klimaschutz, sondern wird sich auch finanziell rächen. Bleibt zu hoffen, dass die verpflichtende Vorab-Beratung beim Einbau einer Gasheizung doch noch den einen oder anderen überzeugt, sich für einen klimaneutralen Wärmeerzeuger zu entscheiden. Denn auch an dieser Stelle spielt die kommunale Wärmeplanung wieder eine Rolle: All die, die ab 2024 Gasheizungen einbauen, aber in Kommunen leben, die letztlich kein Wärmenetz beschließen, müssen in den nächsten Jahren einen sukzessiv steigenden Anteil an erneuerbaren Energien nachweisen. Es steht zu befürchten, dass wenige Jahre alte Gasheizungen dann wieder ausgebaut oder umgerüstet werden müssen. Das sollte nicht Sinn der Sache sein.


Auch die Förderung gibt noch Rätsel auf. Für nicht selbst genutzte Immobilien sinkt sie durch die Änderungen im GEG. Gleichzeitig soll die Umlage für geförderte energetische Sanierungen von 8 % auf 10 % angehoben werden, jedoch nicht über 0,50 €/m2. Es ist fraglich, ob dies den notwendigen Anreiz zur Sanierung bietet. Zudem soll vermietenden Eigentümer:innen der Beschleunigungsbonus verwehrt bleiben – auch wenn aufgrund der steigenden CO2-Steuer der Anreiz groß genug bleiben dürfte, auch in nicht selbst genutzten Häusern in klimafreundliche Lösungen zu investieren. So zumindest die Aussage der Bundesregierung.


Doch Jammern und Klagen helfen nicht: Das Gesetz wird in Kraft treten. Gleichzeitig tickt die Uhr: 2045 soll der deutsche Gebäudebestand klimaneutral sein. Da hilft es nicht, auf die Politik zu warten. Vorschriften sind notwendig, aber oft nicht ausreichend. Und am Ende müssen die Hauseigentümer:innen selbst ein Interesse daran haben, ihre Immobilie klimaneutral zu sanieren. Und dafür spielen Energieeffizienz-Expert:innen und Energieberater:innen die Schlüsselrolle.

Sie sind es, die aufzeigen müssen, wie steigende CO2-Preise und schlechtere Förderbedingungen nicht nur das Weltklima, sondern vor allem auch den eigenen Geldbeutel belasten, wenn nicht gegengesteuert wird. Sie sind es, die die Menschen mit eleganten, intuitiven Lösungen überzeugen sollten, vom Grübeln zum Handeln zu kommen – und dabei viel Geld zu sparen. Das Klima wird es danken, der Geldbeutel auch.

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