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Impact Founder - Alles social oder was?

Von Thomas Gregor Gawlitta, Founder Impact Insider


Jedes dritte Start-up, das heutzutage gegründet wird, hat einen Impact Hintergrund. Laut dem deutschen Startup-Verband wurden im Jahr 2022 mehr als 2600 Start-ups allein in Deutschland gegründet. Wir können also davon ausgehen, dass sich mehr als 800 von ihnen einem Impact verschrieben haben. Der Großteil davon entfällt auf Social Entrepreneurship. Aber was ist das genau? Und wie unterscheidet sich Social Entrepreneurship von Impact-Tech- Start-ups? - Impact Founder


Um zu verstehen, welche Impacts sich wie auf die Gesellschaft mit all ihren Subsystemen auswirken, muss man sich erst einmal mit dem Impact an sich auseinandersetzen. Um einen Impact, also einen gesellschaftlichen oder ökologischen positiven Unterschied zu machen, organisieren sich Menschen schon sehr lange. Gemeinnützige Vereine und Nichtregierungsorganisationen (NROs) gehören genauso zur Gesellschaft, wie an Profit interessierte Unternehmen. NROs dürfen allerdings nicht mit Social Enterprises (SEs) verwechselt werden, denn sie unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt: während sich NROs für die Gesellschaft einsetzen, ohne an Profit zu denken, steht bei SEs die soziale Wirkung zwar im Vordergrund, Gewinne sollen aber trotzdem, so proportional zum Impact, erwirtschaftet werden. Außerdem sind SEs im Gegensatz zu NROs nicht von Spenden abhängig und müssen profitabel sein, sonst überleben sie nicht. Mit ihrem Konzept: den größtmöglichen Impact für die Gesellschaft erzielen und dabei durch Reinvestition von Gewinnen wachsen, stehen sie zwischen den klassischen NROs und den auf Profit getrimmten Unternehmen. Ihr Handlungsrahmen sind (inter)nationale Rahmenverträge und Zielsetzungen, wie die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen.


Weil in den vergangenen Jahren auch der globale Wirtschaftssektor verstanden hat, dass Wachstum nicht unendlich sein kann, weil es Ressourcen eben nicht sind, und multible Krisen sämtliche Ordnungssysteme bedrohen, gewinnen Impact Start-ups immer mehr an Bedeutung. In von Krisen geprägten Zeiten sind ungewöhnliche Sichtweisen, kreative Impulse und ausgeschöpfte Potenziale wichtiger denn je. Egal wie viel gegründet wird, Social Start- ups allein könnten die Herausforderungen unserer Zeit nicht einmal ansatzweise lösen. Es braucht strukturelle Veränderungen und technische Transformation, um historisch gewachsene Probleme mit neuen Mitteln zu bearbeiten. Diesem Ziel haben sich Impact-Tech Founder verschrieben. Sie stellen nicht nur die Ergänzung zu Social Entrepreneurs, sondern ihre Basis dar. Man kann sich die beiden Komponenten vorstellen, wie ein dynamisches Hausbauprojekt. Während Impact-Tech Startups das Fundament bauen, richten Social Startups die Räume ein.


Ohne Impact-Tech kein Ausbau von Social-Tech


Zur Illustration dient ein Beispiel. Da wäre einmal das US-amerikanische Start-up Goodr, das sich gegen Lebensmittelverschwendung und Hunger einsetzt. Die Gründerinnen und Gründer von Goodr haben ein System entwickelt, das Restaurants steuerlich entlastet, wenn sie nicht verwendetes Essen an Bedürftige spendieren, anstatt es zu entsorgen. Goodr übernimmt dabei eine aktive Rolle. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter holen das Essen eigenständig ab, verteilen es, bringen es sogar zu den Menschen nach Hause, die mobil eingeschränkt sind. Die Geschäfte bezahlen dafür und zahlen gleichzeitig Steuern – beide Parteien, sowie Planet und Menschen profitieren. Goodr ist ein Paradebeispiel für ein Social Start-up, und deshalb auch ein Paradebeispiel für die Schwächen, die diese Form der Organisation mit sich bringt. Die Tiefe ist zwar groß (Menschen spüren den Impact direkt, in dem sie nicht mehr hungern müssen und gleichzeitig werden Lebensmittel gerettet), der Maßstab ist es allerdings nicht (Goodr holt die Produkte selbst ab und kann deshalb nur an wenigen Orten agieren). An diesem Beispiel wird deutlich, warum es beides braucht, Social Enterpreneurship und Impact-Tech-Founder. Zweitere sind nämlich in der Lage, das Vakuum zu füllen, das soziale Start-ups ohne technische Komponente offen lassen: die Möglichkeit der Digitalisierung.


Die Hoffnung der Transformation: Impact-Tech


Impact-Tech-Start-ups nutzen Wissenschaft und Technologie bewusst, um das Wohlergehen der Menschen und des Planeten positiv zu verändern. In Anbetracht der Notlage globaler Herausforderungen verwundert es nicht, dass auch dieser Sektor aufstrebt. Impact-Tech- Startups können entweder einen Rahmen für Transformation schaffen, oder auf soziale Veränderungen reagieren und diese mit Tools perfektionieren. Ohne Impact-Tech gäbe es heute keine biobasierten Materialien, kein tierfreies Fleisch, keine Elektromobilität und keine Künstliche Intelligenz. Impact-Tech-Start-ups wollen auf klar definierte Probleme skalierbare Lösungen finden. Die Mischung aus LowTech (einfache, bekannte Tools) und DeepTech (der Versuch, technische Grenzen zu verschieben) variiert dabei je nach Ausgangsproblem. Vor allem im globalen Süden kann mit Hilfe von Impact-Tech Kapitalismus neu gedacht werden, indem alte, meistens nicht nachhaltige Lösungen übersprungen und direkt zu fortschriftlicheren Lösungen übergegangen wird. Entwicklungsschritte können auf diese Weise gespart werden, internationale Gerechtigkeit wird greifbarer.


Kein Gewinn ohne Wirkung


So unterschiedlich Impact-Tech und Social Entrepreneurship in Bezug auf Tiefe und Maßstab sind, so einig sind sich die Strukturen mit Hinblick auf den zu erzielenden Gewinn. Dieser muss nämlich an die Wirkung gekoppelt sein. Während sich SEs vor allem auf soziale Themen konzentrieren, haben Impact-Tech Start-ups einen ganzheitlicheren Ansatz. Sowohl die Sustainable Development Goals als auch die ESG-Richtlinien sind Handlungsrahmen.

Ein Spezialfeld der Impact Entrepreneurship ist die Bildung, wichtiger Indikator für Armut und Aufstiegschancen. In Deutschland gibt es unzählige öffentliche, kostenlose und zum Teil sehr hochwertige Bildungsangebote, darunter individuelle Lernplattformen, webbasierte Baukästen, riesige Datenbanken mit Lernmaterialien, digitale Abiturvorbereitungen, LifeTeacher bei Unterrichtsausfall. Nichtsdestotrotz ist die Innovationsrate langsam. Hier könnte Impact-Tech ansetzen und mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Arbeitsprozesse automatisieren und die Transformation in der Digitalisierung der Bildung weiter vorantreiben. Wenn man dem deutschen Start-up Monitor 2023 glaubt, dann wird genau das in Zukunft passieren. Für 52% aller Gründerinnen und Gründer hat KI nämlich eine klare Relevanz für das eigene Geschäftsmodell. Weil Bildung der entscheidende Sektor der Zukunft ist, wird Impact Entrepreneurship Education an Bedeutung gewinnen. Nicht nur in Social Entrepreneurship Kreisen, sondern auch bei Impact Tech Foundern. Anders werden sich Probleme wie Klimawandel und das Erstarken der politischen Rechten, aber auch soziale Ungleichheit und Gender-Gaps nicht lösen lassen.

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