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Klimaneutral – Klima egal? Mehr Akzeptanz durch mehr Transparenz im Klimaschutz

Aktualisiert: 12. Juni 2023

Von Moritz Lehmkuhl, Gründer ClimatePartner


Der Klimawandel ist die dringendste Herausforderung für die Menschheit. Im Jahr 2015 verabschiedete die Weltgemeinschaft das Pariser Abkommen, mit dem die globale Erwärmung auf 1,5 °C begrenzt und eine weiterhin lebenswerte Zukunft sichergestellt werden soll. Um dieses Ziel noch zu erreichen, muss das Tempo im Klimaschutz schneller werden. Die Treibhausgasemissionen müssen in allen Sektoren und Branchen drastisch gesenkt werden, und wir müssen die Transformation hin zu einer Netto-Null-Wirtschaft deutlich beschleunigen.


In diesem Szenario spielen Unternehmen eine Schlüsselrolle. Ihr freiwilliges Engagement und die Unterstützung von Klimaschutzmaßnahmen und Klimaschutzprojekten führen dazu, dass umfangreiche Finanzmittel, die nach wie vor dringend benötigt werden, in den Klimaschutz gelenkt werden. Das ist von höchster Bedeutung, denn die Finanzierungsunterstützung von Klimaschutzprojekten durch die Privatwirtschaft ist ein unverzichtbarer Baustein im globalen Klimaschutz. Ein aktueller Report der Energy Transitions Commission (ETS) sieht den Finanzierungsbedarf allein für den Schutz bedrohter Wälder bei ca. 130 Mrd. US-Dollar jährlich.


Eigentlich herrscht hierüber allgemeines Grundverständnis. Dennoch ist zuletzt die Akzeptanz für Klimaschutz geschwunden, wird das Konzept Klimaneutralität und CO2-Ausgleich kritisch hinterfragt. Verbraucher:innen sind verunsichert, einzelne Unternehmen haben sich aus Angst vor etwaiger Kritik dazu entschieden, lieber nichts zu tun oder still über ihr Engagement zu schweigen, anstatt ihre Erfolge im Klimaschutz zu kommunizieren und transparent darüber zu informieren.


Klimaschutz jenseits von Marketing und Werbung


Dabei haben die meisten Unternehmen sehr wohl verstanden, dass sie aktiv sein müssen, dass ihr Handeln im Klimaschutz unabdingbar und weit mehr als reines Marketing ist. Zudem kommen Anforderungen seitens Investoren, Geschäftspartner, Gesetzgeber und Kundschaft hinzu, was viele Maßnahmen und Initiativen zusätzlich in Bewegung setzt.

Es passiert also tatsächlich eine ganze Menge, was zur Einsparung, Vermeidung oder Reduktion von CO2-Emissionen führen und echten Klimaschutz bewirken kann - natürlich muss es aber noch viel mehr werden. Auch jenseits von Marketing- und Werbemotiven ist es daher wichtig, dass dieses Engagement glaubwürdig sichtbar wird: Um ein Zeichen in den Markt zu geben, dass Unternehmen Verantwortung übernehmen und um die Wirksamkeit ihrer Zielsetzung und Maßnahmen überprüfbar zu machen und zu belegen. Zudem inspirieren sie Mitbewerber und Geschäftspartner zum Mitmachen, informieren Verbraucher:innen und geben ihnen Entscheidungshilfen bei der Wahl der Produkte – auch ohne absolute Aussagen wie “klimaneutral”, “klimapositiv” oder ähnlichem.


Transparenz für Engagement und Wirksamkeit


Eine Antwort auf diese Herausforderung gibt nun der Klimaschutzexperte ClimatePartner mit dem Anfang April vorgestellten Lösungsansatz “ClimatePartner-zertifiziert”. Er schafft die Basis für ein neues Level im Klimaschutz und fokussiert auf der verbindlichen Definition und Umsetzung von Reduktionszielen und dem Offenlegen erreichter Reduktionen. Das Konzept basiert auf einem 5-stufigen Prozess, der deutlich strengere Anforderungen als bislang an die Klimaschutzbestrebungen von Unternehmen richtet und mit erweiterten Informationen für noch mehr Orientierung und Transparenz für Verbraucher:innen sorgt.

Mit dem Label “ClimatePartner-zertifiziert” haben Unternehmen die Möglichkeit, ihre umfassende Klimastrategie transparent offenzulegen, einschließlich des Carbon Footprints, der gesetzten Emissionsreduktionsziele, der bereits umgesetzten Reduktionsmaßnahmen und des finanziellen Beitrags zu internationalen Klimaschutzprojekten. Das Ziel und der Anspruch sind klar: Durch die Festlegung klarer Regeln und die Schaffung eines noch nie dagewesenen Maßes an Transparenz ermutigt das Konzept Unternehmen zu ehrgeizigen Klimaschutzmaßnahmen und zur Sensibilisierung von Kunden, Lieferanten, Geschäftspartnern und der Öffentlichkeit. Im Mittelpunkt dabei stehen die Wirksamkeit und Nachvollziehbarkeit von Klimaschutzmaßnahmen.


“ClimatePartner-zertifiziert” besteht aus fünf Schritten und bestätigt, dass

  • der CO2-Fußabdruck des Unternehmens / eines Produktes regelmäßig berechnet wird,

  • sich das Unternehmen Ziele zur Reduktion von CO2-Emissionen gesetzt hat,

  • konkrete Reduktionsmaßnahmen bereits umgesetzt wurden,

  • das Unternehmen zertifizierte Klimaschutzprojekte unterstützt,

  • das Unternehmen seine Klimaschutzmaßnahmen transparent über eine individuelle Climate-ID-Webseite kommuniziert.

Seit der Gründung von ClimatePartner im Jahr 2006 stand im Zentrum des Lösungsverständnisses das Prinzip, CO2-Emissionen zu berechnen, zu reduzieren und auszugleichen. Dieser Ansatz bleibt weiterhin zentral und ist Grundlage für die fünf Schritte im Klimaschutz, die Unternehmen nun absolvieren müssen. Mit ihr wird sichergestellt, dass Unternehmen in allen Schritten ihre Verantwortung erkennen und zu jedem Schritt transparent machen, was sie erreicht haben.


Nach „klimaneutral“: die Aufgabe bleibt, die Entwicklung geht weiter


Das Verständnis von Klimaneutralität ist international etabliert und reicht bis zum Kyoto-Protokoll von 1997 zurück. Es wird von staatlichen Institutionen, den Vereinten Nationen und einem sich kontinuierlich entwickelnden Markt weiterhin getragen. Manche Verbraucherschutzinitiativen kritisieren jedoch den Begriff „klimaneutral“ als irreführend, manche internationale Nichtregierungsorganisationen raten sogar von der Verwendung ab.

Tatsächlich gibt es aktuell noch keine eindeutige gesetzlich verpflichtende Regelung zum Umgang mit Aussagen zur Klimaneutralität. Das 2019 initiierte Projekt der ISO-Norm 14068 soll international geltende Anforderungen und Grundsätze festlegen, die bei Nutzung des Begriffs „Klimaneutralität“ nachzuweisen sind. Das Projekt hat die reguläre Laufzeit von drei Jahren bereits überschritten, und die Veröffentlichung der Ergebnisse ist wiederholt verschoben worden – zuletzt auf 2024. Verbindliche Definitionen und Regeln für die Klimaneutralität werden also kurz- und mittelfristig weiterhin fehlen.


Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die Regulierungsmaßnahmen, die seitens der EU-Gesetzgebung im Rahmen ihrer Green Claims-Initiative zu erwarten und in ersten Auszügen bereits kommuniziert sind, verzichtet auch “ClimatePartner-zertifziert” bewusst auf absolute Aussagen wie “klimaneutral”. Auch wenn ClimatePartner bereits seit 2020 an diesem Konzept gearbeitet hat, kommt es im Zusammenhang mit den aktuellen Entwicklungen wie gerufen. Es gibt Sicherheit und Bestätigung für diejenigen Unternehmen, die sich ernsthaft im Klimaschutz engagieren und dies kommunizieren möchten. Und es kann Verbraucher:innen eine zuverlässige Informations- und Entscheidungsbasis in ihrem täglichen Einkaufsverhalten geben.


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